Bericht "Die Oberbadische" (20.01.2020)

Bildung als Schlüssel für ein selbstbestimmtes Leben

Bild 1 von 2 Das Kindergartengebäude in Hewa kurz vor der Einweihung. (Foto: Die Oberbadische)

Inzlingen (ov/tn). Unbemerkt von großen Teilen der Öffentlichkeit gibt es in Inzlingen einen Verein, der – auch dank Spenden aus der Region – im fernen Nepal Großes bewirkt. Die Gruppe namens „Verein Nepal-Inzlingen“ um Klaus Bender vermeldet große Fortschritte bei ihren zwei Projekten: eines im Bergdorf Hewa in der Nähe des Mount Everest und eines in Khokana nahe der Hauptstadt Kathmandu. Trotz positiver Meldungen könne man die Hände aber nicht in den Schoß legen, wie Vorsitzender Bender mitteilt.

Wiederaufbau in Hewa

„Es gibt viel zu tun. Dort wird unsere Hilfe gebraucht“, bilanziert er in einem Sachstandsbericht. Gemeinsam mit dem Partnerverein Rheinland-Lorraine-Nepal hatten die Inzlinger im November eine Gruppenreise nach Nepal organisiert.

Der Aufbau des vor fünf Jahren bei einem Erdbeben zerstörten Dorfes Hewa sei inzwischen nahezu abgeschlossen, freut sich Bender. Alle zehn geplanten Häuser in dem kleinen Bergdorf wurden vollständig aufgebaut und sieben renoviert. „Dies verdanken wir dem großen Engagement der Dorfbewohner, den unermüdlichen Bemühungen der nepalesischen NGO (HSCC) unter Leitung von Tendi Sherpa. Und ein ganz besonderer Dank geht an die Fürsorge- und Bildungsstiftung (FBS), die die finanziellen Mittel bereitstellte. Die Häuser sind nun erdbebengesichert. Es wurden Stahlträger und Beton als Stützelemente verbaut“, teilt Bender mit.

Der Materialtransport war sehr aufwendig und während der ausgiebigen Regenfälle des Monsuns über mehrere Monate wegen der aufgeweichten Wege gar nicht möglich gewesen, blickt der Inzlinger Vereinsvorsitzende zurück. Zement und Stahlträger seien mittels Lastwagen und Traktoren bis zu einem Zwischenlager auf 3070 Metern Höhe transportiert worden. Der Zement wurde in kleinere Portionen aufgeteilt und dann mit Lasttieren bis ins Dorf Hewa transportiert. Die Stahlträger wurden portionsweise von zwei Personen geschultert. „Die Lebensqualität im Dorf konnte so wesentlich verbessert werden. Die Familien konnten nach etlichen Monaten aus ihren Zelten wieder in feste Häuser umziehen.“

Erstmals ein Kindergarten für das Dorf Hewa

Vor ein paar Wochen ist das neue Kindergartengebäude eingeweiht worden. „Die Stimmung war bombig“, weiß Bender zu berichten Der Kindergartenbetrieb soll im kommenden Monat beginnen. Man könne gut und gerne von einem Pilotprojekt sprechen, denn in Hewa habe es bisher überhaupt keine frühkindliche Förderung gegeben. Zum Glück habe der Verein eine einheimische, erfahrene Kindergärtnerin gefunden. Die Kosten dafür teilen sich die beiden Vereine.

Kindergarten in Khokana braucht finanzielle Hilfe

Der Kindergarten in Khokana stand ebenfalls auf dem Reiseprogramm. „Wiederum wurde uns sehr deutlich, welche Leistungen die Betreuerinnen erbringen. Die Kleinkinder kommen aus sehr bedürftigen Familien, die kaum auf die Ernährung und Hygiene achten“, berichtet Klaus Bender. So würden die Kinder im Kindergarten gewaschen, und auch ihre Kleidung werde dort gereinigt. Auch Zähneputzen gehöre neu zum Programm. Die Kinder würden an sechs Tagen pro Woche täglich sechs Stunden lang betreut.

Die vier Betreuerinnen können jedoch laut Bender wegen begrenzter Mittel nicht angemessen bezahlt werden. Der Verein Nepal -Inzlingen bittet daher um finanzielle Unterstützung, um die Situation der Erzieherinnen zu verbessern, die Großes leisteten, wie Klaus Bender betont. Die Reise nach Nepal habe wiederum sehr deutlich gemacht, dass frühkindliche Förderung und Bildung der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben sein könnten.

Weitere Informationen: https://nepalinzlingen. wordpress.com In Inzlingen lädt Pfarrer Tobias Walkling für Sonntag, 22. März, zu einem Gottesdienst mit dem Thema Nepal ein. Beginn ist um 18 Uhr in der Lukaskirche.